Von den Riesen zu den Zwergen und hinauf auf den hohen Berg
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Von den Riesen zu den Zwergen und hinauf auf den hohen Berg

Je später der Tag, desto schöner das Wetter. Genau so war dieser Donnerstag am Ende meiner Elternzeit. Nach 2 Tagen Regen, Unwettern und Gewitter klarte es auf und wurde immer wärmer. Also noch einmal los um beide Hunde und mich auszulasten. Die Route war schnell gefunden, da die fränkische Schweiz wieder mal lockte und wir machten uns auf die Pfoten bzw. Wanderstiefel. Vorwegzunehmen sei, das die Tour mit 11km nicht wirklich lange, dafür aber sehr intensiv an Höhenmetern ist, was eine gute Grundkondition voraussetzt. Zudem gibt es wenig Trinkstellen für die Hunde, somit denkt bitte ausreichend an Wasser und sie ist nicht Kinderwagen oder Buggy geeignet. Kinder die selbst laufen werden aber sicherlich viel zu entdecken haben, genau wie Frauchen, Herrchen und die Hunde. Ihr solltet dabei aber eine Taschenlampe dabei haben, für 2 Stellen und wegen Rutschgefahr sollte eher nicht auf das Mobiltelefon zurückgegriffen werden. Eine letzte eindringliche Bitte: Die Tropfsteine sind immer tabu und sollten weder berührt oder abgebrochen werden. Lasst die Höhlen in ihrer Einzigartigkeit wie sie sind für euch und unsere Nachkommen. Danke!!!

So, dann ging es auch schon los und hier die Übersichtskarte:

Gefolgt vom Höhenmeterprofil:

 

Auf zur Riesenburg bei Doos

Ausgangspunkt für diese wunderschöne Wanderung war der Kajakverleih bei Doos, etwa 6km nördlich von Behringersmühle (Koordinaten 49°48’39.0″N 11°17’41.5″E). Nach dem Check ob wir alles dabei hatten, ging es über die Straße und auf einer Brücke über die Aufseß vorbei am Haus Aufseßtal, einem Suchtbehandlungszentrum, was auch die Duftgärten und Erfahrungsfelder der Sinne erklärte. Wir querten die ST2191 und folgten von hier an dem romantischen Rundweg (gelber Kreis) über ein Wehr der Wiesent um dann südlich durch den Wald zu marschieren. Für nicht ganz trittsichere ist am Fluß noch ein breiterer Fußweg der nach etwa 1km über eine Gitterbrücke (kleine Hunde bitte tragen auf Grund der größeren Löcher) zum ersten Ziel führte: der Riesenburg. Es handelt sich hierbei nicht um eine von Riesen erschaffene Burg, sondern um eine Karsthöhlenruine. Kaum vorstellbar, aber vor 161 bis 150 Mio. Jahren lag ganz Südeutschland im Bereich eines Flachmeeres und beim Rückgang dieses Meeres konnte die damals höher gelegene Wiesent in die Höhle fließen, erweitern und trug die abgelagerten Sedimente aus. Durch diesen Vorgang verlor die Höhle an Stabilität und die Decke stürzte fast vollständig ein. Die vorhanden drei, teilweise über zehn Meter hohen, Bögen stellen so die Reste des Höhlendaches dar. Der Anstieg erfolgt über viele Stufen, aber das vor uns liegende Naturschauspiel war es wie immer wert. Die Hunde hatten auf Grund der Tatsache, das wir alleine waren, hier Freilauf. Es ging hinauf über den letzten begehbaren Bogen zu einer tollen Aussicht über das Wiesenttal, welchen schon 1830 König Ludwig besichtete und sich, an dem nach ihn benannten Felsen mit folgenden Zitat verewigte:

„Folgend dem Windzug, kommen zum Felsen die Wolken und weichen, Unveränderlich steht aber der Fels in der Zeit.“

Seit Juli 2007 gehört die Riesenburg offiziell zu den 100 bedeutensten geologischen Naturwundern Bayerns und nach einem kurzen wirken lassen, verließen wir diesen Ort durch einen Bogen und folgten dem Frankenweg weiter.

 

Die Doktorshöhle mit den Tropfsteinen wartet auf uns

Weiter in Serpentinen bergan schlängelte sich der Weg mit seinen Stufen gen Westen. Am vermeintlich höchsten Punkt ergab sich zur Rechten ein kurzer Abstecher zum „Wiesenttalblick“ den wir auch kurz ansahen nur um nach einer Straßenquerung festzustellen, das es danach wieder nur nach oben ging 🙂 Wacker weiter auf dem Frankenweg kamen wir plötzlich auf einen gepflasterten Weg, was mich doch etwas stutzig machte. Nachdem wir eh diesem nach mussten, folgte nach 200m die Auflösung: Ein Wasserspeicher auf dem Berg … klar, das man da auch im Winter mit dem Auto raufkommen muss …. macht Sinn. Nach 3,6km erreichten wir also den Hohlen Berg. Ich war schon einige male hier, habe aber noch nie die Doktorshöhle besucht. Diese ist auch nicht ausgeschildert und kann somit auch leicht übersehen werden. In Anbetracht der Tatsache, dass die Tropfsteine offen zugänglich sind, ist es vielleicht doch besser, das viele hier einfach vorbeilaufen. Der Eingang befindet sich etwas links unterhalb des Wanderweges, ist knapp 50m lang und der Eingang misst etwa fünf mal drei Meter. Die Höhle wurde nach ihrem Entdecker im Jahr 1905, dem Muggendorfer Arzt Dr. Adolf Schauwienold benannt. Die Höhle war lange Zeit mit einer Holztüre verschlossen, ist aber wieder ganzjährig zugänglich. Lediglich im Zeitraum von Oktober bis April auf Grund der dort überwinternden Fledermäuse und des Höhlenschutzes ist der Zugang verboten. Ich zückte die Taschenlampe und war schon nach wenigen Metern in tiefster Finsternis total begeistert. Die Hunde gingen derweil auf die Spurensuche, während eine kleine Fledermaus kreuz und quer über unseren Köpfen kreiste. Einige Sinterbecken sind noch erhalten und das kalkhaltige Wasser tropft immer noch von der Decke. Die Taschenlampe hat hier einen super Dienst erwiesen und so zogen wir wieder hinaus ins Tageslicht.

 

Hinauf auf den Aussichtsturm hohler Berg

Der Berg selbst ist 522m ü.NN hoch und wird auch als hohes Kreuz bezeichnet. Der Name leitet sich selbstverständlich von den vielen Höhlen ab, die sich direkt im Berg befinden. Neben der oben erwähnten Doktorshöhle sind es vor allem die Wundershöhle und die Witzenhöhle. Letztere soll laut dem Naturforscher Johann Friedrich Esper die „schröcklichste und allerschauervollste“ Höhle der Fränkischen Schweiz gewesen sein. Der Legende nach wurden in der Höhle dem Slawischen Lichtgott Svantevit Opfer dargebracht. Nachdem aber die Zeit schon etwas vorangeschritten war, entschloss ich mich, diese bei einer anderen Tour alleine mal zu erkunden. Nachdem wir uns an die Sonne wieder gewöhnt hatten, stiegen wir wieder nach oben und kamen am Wasserspeicher vorbei und hielten uns rechts und sahen sofort den Aussichtsturm. Nachdem der alte Turm hier sehr baufällig war, wurde im Jahr 2011 dieser 12 m hohe neue Turm errichtet. Hier möchte ich, wie bereits eingangs bei der Wiesentbrücke alle Hundehalter daran erinnern, kleinere Hunde zu tragen und ungeübte bzw. unsichere Hunde nicht zu zwingen, auf den groblöchrigen Stufen nach oben zu steigen. Hier ist schnell eine Kralle ein- und abgerissen. Leila kann hier ein Lied von jaulen. Shakespeare war hier, wie schon in anderen Berichten erwähnt, ohne Probleme und sprintete los nach oben. So schnell konnte ich gar nicht schauen, hatte Leila ihn schon eingeholt und war schneller oben als er. Ich konnte meinen Augen nicht trauen, da dies noch nie passiert war. Sprachlos und stolz knuddelte ich sie oben und war mehr als happy. Der Ausblick ringsum war traumhaft schön, und nachdem es schon 18 Uhr durch war, menschenleer und entspannend. Wieder unten folgten wir erneut dem Frankenweg durch ein urwüchsiges Gelände aus Wurzeln und Steinen und gingen, über die in den Berg gehauene Stufen hinab, zum nächsten Highlight dieser Tour.

 

Durch die Oswaldhöhle hindurch

Der Wanderweg führte uns direkt durch die Oswaldhöhle, welche mit 1,60m Höhe am niedrigsten Punkt, für größere Menschen bei Unvorsichtigkeit evtl. zu „Kopfzerbrechen“ führen kann 🙂  Die Karsthöhle ist eine sogenannte Durchgangshöhle mit 65m Länge und einem 5x2m hohen Südeingang, der uns auch direkt hinein brachte. In ihr befinden sich noch Fundamentreste einer ehemaligen Mauer, die aller Wahrscheinlichkeit aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges stammt. Damals diente die noch „hohles Loch“ bezeichnete Höhle der Bevölkerung als Unterschlupf und später als Felsenkeller, da sie im Winter noch immer herrliche Eisformationen hervorbringt und im Frühjahr lange kühl halten konnte. Den Namen „Oswaldhöhle“ verdankt diese einem Einsiedler namens Oswald aus dem Ritterroman Heinrich von Neideck, den ein Jurist aus Erlangen im Jahr 1791 aus dem Englischen ins Deutsche übersetzte. Nachdem ich die Taschenlampe angemacht hatte, traten wir ein und entdeckten an der östlichen Höhlenwand ein trocken liegendes Felsbecken, den sogenannte Weihkessel. Er diente der Sage nach den Priestern, die in der nahegelegenen Witzenhöhle ihre kultischen Feste feierten, als kultisches Wasserbecken. Nachdem wir die 40m lange „Große Halle“ gequert hatten, kamen wir am 12x6m hohen Nordausgang heraus. Es war eine beeindruckende Geschichte in dieser Ruhe durch dieses Naturschauspiel zu wandern ohne das die Hunde Angst verspürten. Bei wärmenden Sonnenschein gab es dann ein Foto und weiter ging es …..

 

Der Weg zurück zum Start

Von hier aus ging es gen Norden hinab zum Doser Berg und weiter dem Frankenweg folgend. Wir querten die Straße und folgten ihr ein wenig, nur um uns 250m weiter links auf den Fahrradweg zu begeben. Hier würde ein weiterer Weg abführen zur Rosenmüllerhöhle, einer alten Schauhöhle die noch ihren Reiz hat. Auf Grund der doch fortgeschrittenen Zeit beschloss ich, etwas schneller zu wandern, was auch auf Grund des asphaltierten Weges kein Problem darstellte. Am Scheitelpunkt des Berges bog der Wanderweg vom Anfang (gelber Kreis) wieder ein und wir gingen an Kornblumen und Klatschmohn übersäten Feldern vorbei Richtung Albertshof. Wir schlugen einen Weg über die Ostseite ein um die Ortschaft zu umgehen, um direkt Richtung Kuchenmühle zu laufen. Der direkt an der Aufseß gelegene Gasthof mit Biergarten lädt traumhaft zum Brotzeiten ein. Das Wasserrad der Mühle lief rhythmisch, plätscherte vor sich hin und begleitete uns noch eine Weile als wir über die Brücke gingen. Von hier aus ging es stetig an der Aufseß entlang, was Pferdebremsen nicht davon abhielt, über uns herzufallen, bzw. mich. Für Allergiker wäre hier ein passender Schutz angebracht. Nach knapp 1,5km erreichten wir wieder das Haus Aufseßtal und legten die letzten 120m zum Auto zufrieden zurück. Mit viel Leckerlies und Streicheleinheiten hatten sich beide Schnuffs ihren Feierabend wohl verdient. Es war eine anspruchsvolle, aber landschaftlich mehr als beeindruckende, fordernde Tour. Mit einem Lächeln im Gesicht fuhren wir nach Hause.

 

Wie bereits gewohnt findet ihr hier die GPS Daten und das Nacherleben über Komoot.

Und zum Abschluss das passende Video dazu:

ich wünsche euch viel Spaß und bedanke mich fürs Lesen

Michl