Über die Ruine Weißenstein auf die Platte im Steinwald
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Über die Ruine Weißenstein auf die Platte im Steinwald

Ein toller Sommerabend hatte uns dazu eingeladen, die Füße zu vertreten. Am Start waren wir diesmal als Familie komplett und Roman begleitete uns ebenfalls für eine Weile. Auf Grund der warmen Temperaturen war es nur logisch, dass wir sowohl im Schatten, als auch eine kürzere Distanz laufen würden. Nachdem es ja immer ein kleines Highlight geben sollte, fiel die Wahl diesmal auf den Steinwald, welcher nur 20Km vor unserer Haustüre liegt. Die Route ist für jeden Konditionstyp geeignet, bedarf aber dennoch guten Schuhwerks. Wichtig ist, das ihr Wasser für die Hunde mitführt, da es hier oben auf den 8km keinerlei Wasserstellen oder Brunnen gibt. Ausgangspunkt war der Wanderparkplatz in der Nähe des Marktredwitzer Hauses (Koordinaten: 49.925526, 12.082455).

Ist die Strecke Kinderwagentauglich?

Jain… wer nur die Ruine Weißenstein sehen möchte definitiv, Ja. Wer die Platte noch mitnehmen möchte, muss der Wagen ein kurzes Stück getragen werden. Somit kann hier leider nur eine Empfehlung ausgesprochen werden für Kinder, die bereits laufen können bzw. eine Tragehilfe für die Kleinsten.

Um der Tradition treu zu bleiben, hier die Übersicht der Tour:

Gefolgt vom Höhenprofil:

Die Ruine Weißenstein war das erste Ziel

Mit gepackten Rucksäcken, zogen wir also um 17.30 Uhr mit Kinderwagen und den Hunden los und folgten dem ausgeschilderten Wanderweg (gelb / blau / gelber Wegweiser) nach Süden direkt in den Steinwald hinein. Uns fielen sofort die toll in Holz gearbeiteten Beschreibungen aus, welche den Steinwald uns näher bringen sollten und viel über Arten und Naturschutz erklärten. Die breiten Forststraßen ließen ein flottes Vorankommen zu, wobei ich einmal die Gruppe verlassen musste um mit unserer Tochter einen Umweg zu fahren, da der reguläre Weg durch ein 200m langes Teilstück führte das auf Grund Wurzeln nicht geeignet war. Da Jana und ich schon so oft hier waren, kannten wir dieses Hindernis bereits und wir trafen uns einige Minuten später wieder. Nach insgesamt knapp 1,5km standen wir bereits vor der immer wieder imposanten Burgruine Weißenstein. Auf Grund der Tatsache, dass wir alleine waren, durften hier die Hunde in den Freilauf und die Ruine auf eigene Faust erkunden. Erstes Ziel war der Aussichtsturm, der über steine Holztreppen zu erreichen war. Shakespeare war wie immer schneller oben als die Feuerwehr und Leila hatte diesmal kurz vor dem Turmeingang keine Lust mehr. Somit blieb Jana bei ihrem Goldie, während ich, unsere Kleine tragend mit Roman weiter nach oben stiegen. Hier ergab sich für uns ein tolles Panorma.

Geschichtliches über die Ruine:

Sie steht auf dem 863,5 m ü. NHN Weißenstein und bildet somit eine Höhenburg in sogenannter Spornlage. Der Name erschien urkundlich erstmals am 21. März 1279 als „Wisstenstein“. Damals trat ein „Wolff de Wisstenstein“ als Urkundenzeuge bei einer Güterübertragung auf. Die Burg Weißenstein dürfte nach 1560 endgültig aufgegeben worden sein. Die Bauten verfielen und begruben einen Teil der Mauern unter ihren Schutt. Auch der Turm verlor seinen Aufbau und sicher einen Teil seiner ursprünglichen Höhe. 1995 waren von der Burgruine kaum mehr als der auf einer hohen Felsenklippe errichtete Bergfried und zwei einsturzgefährdete, etwa vier Meter hohe Mauerreste erkennbar. Weitere Mauerzüge waren allenfalls in Form von wallartigen Bodenerhebungen erkennbar. Die Gesellschaft Steinwaldia Pullenreuth e. V. restaurierte zwischen 1996 und 2000 mit einem erheblichen Zeit- und Kostenaufwand die noch vorhandenen Gebäudeteile und sorgte für den Erhalt des kulturhistorischen Denkmals.

Nachdem wir wieder herabgestiegen waren und uns den Rest der Anlage gewidmet hatten, zog Roman seiner Wege und wir hielten uns nun westlich nach der Brücke von der Burg kommend …

 

Weiter zur Dreifaltigkeitskapelle

Auf dem rot-weiß markierten Steinwaldweg hinauf auf 865m ü. NN erreichten wir zur rechten die ökumenische Dreifaltigkeitskapelle, welche am 18.8.1974 eingeweiht wurde. Der Name des Platzes, auf dem die Kapelle steht, heißt „An der Kapelle“, es muss also schon früher ein solches Bauwerk bestanden haben. Der Vorraum der offenen Kapelle ist als Unterstellmöglichkeit gedacht. Neben der Kapelle steht eine Steinmarter mit „Sühnesteinen“. Alte Leute erzählen, dass bis vor wenigen Jahrzehnten aus der näheren und weiteren Umgebung Steine hier heraufgetragen wurden, weil man glaubte, dadurch Vergebung von Sündenstrafen zu erlangen. Ob die vielen aufgetürmten Steinhaufen dazu zählen, können wir nicht beurteilen, aber es wirkt schon recht interessant, da man diese meist nur als Wanderwegweiser in Gebirgen findet.

Leila hatte auf jeden Fall Respekt davor und hat sich nicht in die Nähe getraut, während sich Shakespeare in die aus Holz und Granit gebaute Stätte wagte und sich umsah. Neben Wünschen und Devotionalien stehen auch mehrere brennende Kerzen hier und verbreiteten eine ehrerbietende Stimmung mit dem durch die Bäume scheinenden Sonnenstrahlen.

 

Die Wolfsgrube…

Nun gingen wir weiter nach Westen immer höher. Nach knapp 800m erspähten wir am linken Wegesrand eine Schautafel, welche über eine historische Wolfsgrube berichtete.  Die Wolfsfalle war vor Grabungsbeginn 2009 als trichterförmige Vertiefung mit einer viereckigen Mündung, einer Breite von bis zu 3m und einer Tiefe von 1,8 m im Gelände sichtbar. Die Wolfsgrube selbst wurde mit einer konkreten Lagebeschreibung erstmalig 1497/1498 in einer Urkunde anlässlich eines Streites zwischen Oswalt von Seckendorff und Hans Nothaft erwähnt. Die Grabungen ergaben, dass die Wolfsgrube mit der Zeit dreifach genutzt wurde und zwar, wie sich tatsächlich herausstellte als Wolfsgrube, als Grubenmeiler und als Kohlenmeiler mit fast 20 m Durchmesser. Das Bodendenkmal ist wegen starker Verwitterung des anstehenden Granits nicht zu erhalten. Die Grube wurde daher mit Granitsand verfüllt und mit einer Informationstafel versehen und somit nicht mehr wirklich als solche ersichtlich.

Auf zum höchsten Punkt: die Platte

Nach dieser Exkursion in die Geschichte, erreichten wir nach insgesamt 4,5Km den Oberpfalzturm auf der Platte. Auf dem höchsten Gipfel des Steinwaldes steht auf 946m ü. NN. der 30m hohe Aussichtsturm, der im September 2000 eingeweiht wurde und nur aus Lärchen-Leimschichtholz gebaut wurde. Der 1972 gebaute Turm wurde im Jahr 1998 auf Grund Baufälligkeit abgebrochen. Nachdem die Kleine selig im Kinderwagen ein Nickerchen machte und Leila keine Ambitionen zeigte, stieg ich mit Shakespeare alle die 150 Stahlgitterstufen hinauf auf die 30m erhöhte Aussichtskanzel. Die Fernsicht war gigantisch und reichte auf Grund des tollen Wetters weit ins Fichtelgebirge, ins Egerland und über den Oberpfälzer Wald. Bei sehr guter Fernsicht soll diese bis zum großen Arber im bayrischen Wald und dem Fichtelberg im Erzgebirge möglich sein. Nach dem Abstieg hieß es Wasser trinken für die Hunde und es folgte der eingangs erwähnte „Trampelpfad“ der uns langsamer vorankommen ließ.

 

Über den Katzentrögel zurück

Der Weg gabelte sich nun und führte links hinab zum Steinwaldhaus und Pfaben, während wir uns auf einen schmalen Weg schlugen nach Norden. Der Trampelpfad brachte uns dazu, das Jana unser Töchterchen trug und die Hunde frei laufen durften, während ich all meine Kenntnisse im Geländewagenfahren ausspielen durfte, Bundeswehr sei Dank 🙂

Nach knapp 400m erreichten wir den Katzentrögel. Dieser auf 941m ü. NN gelegene Felsen liegt etwas höher als die Kösseine, welche gegenüber liegt. Bis zu Jahr 2007 befand sich hier auch eine Besteigungsanlage, welche 2007 auf Grund Naturschutz abmontiert wurde. Ein Gedenkstein erinnert an die Tragödie, die sich im Jahre 1873 ereignete. Der 5-jährige Johann Franz aus Harlachberg war hier am 8. April abgängig und erst am 19. September 1874 wurden seine Überreste hier gefunden. Er war seiner Mutter nachgegangen, die Holz und Gras sammeln wollte und hatte sich verirrt und verhungerte. Tragisch 🙁 Der Name des Felsens hat seinen Namen im Ursprung einer Sage, welche der Pfarrer Joh. Lehner wie folgt wiedergab:

Droben auf der höchsten Höehe des Steinwalds steht das Katzentrögel. Mächtige Granitklötze liegen wild beieinander. Einst bildeten sie eine große Schüssel, die erst nach und nach infolge der Verwitterung zerbröckelte. Zu der Zeit, da Riesen in den Wäldern hausten, hatten deren Katzen hier ihr „Tröglein“

 

Von hier aus ging es stetig und holprig bergab bis zu einem steilem Abhang an dessen Fuß sich ein kleiner Wassergraben befand, der durch Gras bedeckt war und mir nasse Schuhe bescherte. Hier führte der Weg nach rechts gen Osten den wir knapp 1,5km folgten und nach einer Gabelung links in den „Plattengasse“, welche rechts rum wieder zur Dreifaltigkeitskapelle hoch führte. Nach etwa 300m stießen wir auf den Wanderweg vom Beginn und schon schloss sich der Rundweg.

Zurück am Auto waren alle zufrieden und ein toller Sonnenuntergang über dem Schneeberg belohnte uns für die kleinen Anstrengungen dieser genialen Tour.

Wie bereits gewohnt findet ihr hier die GPS Daten und das Nacherleben über Komoot.

Und zum Abschluss das passende Video dazu:

 

Wie möchten euch dieses Erlebnis ans Herz legen zum Nacherleben.

Eure Jana und euer Michl