Rund um die Kösseine
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Rund um die Kösseine

Mitte Mai 2017 sprach das Wetter uns eine Einladung aus zum Wandern, welche Leila, Shakespeare und ich nicht ausschließen konnten. Nachdem sich die Schwangerschaft so langsam dem Ende näherte war es vernünftiger das Jana von sich aus ablehnte. Unser Ort liegt so zentral, das es egal ob Fränkische Schweiz, Steinwald, Oberpfälzer Wald oder Fichtelgebirge fast immer gleich weit ist.

Nach dem Losverfahren gewann mal wieder das Fichtelgebirge und das Ziel war die Kösseine mit Umgebung. Die höchste Erhebung des aus Granit bestehenden Bergstocks ist der gleichnamige Gipfel auf einer Höhe von 939m ü. NHN.  Urkundlich wurde die Kösseine erstmals am 7. März 1283 genannt, als weite Gebiete an der Kösseine (Choezsin) an Herzog Ludwig den Strengen, Pfalzgraf bei Rhein und Herzog in Bayern, übergingen. Der Name Choezsin oder Chozin ist slawischen Ursprungs und bedeutet Ziegenberg, vermutlich ein Hinweis auf die frühere Viehwirtschaft. 1785 und 1820 kam Johann Wolfgang von Goethe in das Fichtelgebirge. Er schrieb wissenschaftliche Abhandlungen über die Granitverwitterung und fertigte Zeichnungen von verschiedenen Felsformationen im Kösseinegebiet an.

Als Ausgangspunkt wählte ich die Ortschaft Fahrenbach aus, unterhalb dem Golfhotel gelegen. Über Wiesen und Felder und blühenden Raps ging es nördlich der Kösseine auf die Tour. Nach einem flachen Anstieg und an Weihern vorbei ging es in den Wald und zur ersten Etappe der Tour: der Burgsteinfelsen mit einer Höhe von 869m, eine mächtige Granitfelsburg und geschütztes Naturdenkmal. Hier durften die Hunde auf Grund mangelnder Touristen wieder alleine flitzen bis zum Aussichtspunkt hinauf.

Von hier aus ging es dann Richtung Osten um die zweite Etappe zu erreichen, den großen Haberstein. Urkundlich taucht der Name Haberstein erstmals im Jahr 1393 auf, als der Waldbesitz und die Besitzgrenzen des damaligen Landesherren, des Burggrafen von Nürnberg, beschrieben werden:

„der haberstein, der auf dem hochstein in der Kozzeyn liget“.

Auf dem obersten Felsen sind einige muldenartige Vertiefungen vorhanden – der Volksmund nannte sie Druidenschüsseln. Sie sind durch die Granitverwitterung entstanden und daher keine von Menschenhand geschaffenen Opferkessel für kultische Zwecke. Um diese zu sichten, mussten wir natürlich über die Eisenleitern nach oben. Leider ist Leila nicht so der große Freund von steilen Treppen und das wird natürlich respektiert und weiter daran gearbeitet. Somit blieb sie brav unten liegen, während Shakespeare und ich dies erklommen und die Aussicht genossen. Der Gipfel der Kösseine im Nordosten, im Osten der Asenturm auf dem Ochsenkopf und daneben der Gipfel des Schneeberges.

Nach dem Abstieg und der freudigen Begrüßung durch Leila ging es hoch zur Kösseine. Oben angelangt war die Enttäuschung leider groß, da der Aussichtsturm leider wegen Bauarbeiten geschlossen war. Dafür entschädigte aber die Blasmusik im Gasthaus … wem es also gefällt 😉 …. Es folgte somit der Abstieg über einige Brunnen zur Erfrischung der Schnuff’s und am Golfhotel vorbei nach Fahrenbach. Ein letztes Highlight war ein Kneippbecken, das die perfekte Abkühlung bot, welche von beiden dankbar angenommen wurde. Zurück am Auto war dann die Wahl: geht es schon nach Hause mit lediglich 15km Wanderzeit oder geht noch was? Nachdem es keine Gegenstimmen gab *hüstel* ging die Fahrt ins 5km weiter gelegene Wundsiedel. Oben im sogenannten Bürgerpark befindet sich der sogenannte Katharinenberg, ein  618m ü. NHN hoher Berg aus Phyllit. Im Gipfelbereich steht die Ruine der ehemaligen Wallfahrtskirche, das älteste Bauwerk Wunsiedels, das der heiligen Katharina von Alexandrien geweiht war. Die Zeit ihrer Entstehung ist unbekannt, in einem von 14 Erzbischöfen und Bischöfen gesiegelten Ablassbrief vom 1. Oktober 1364 wurde sie erstmals urkundlich erwähnt. Ab 1452 begann man mit dem Bau des Westturms. Nach der Wartordnung von 1498 diente er auch als Beobachtungs- und Signalstation. Nach Einführung der Reformation verfiel die Kirche bis auf die Grundmauern. Den Sockel des gut erhaltenen Turmes schließt ein sorgfältig aus Granit gearbeitetes Gesimse ab, im Obergeschoss befinden sich vier spitzbogige Schallfenster aus Granit. Die Inschrift einer Granittafel an der Nordseite des Turmes erinnert an die siegreiche Verteidigung Wunsiedels 1430 gegen die Hussiten und 1462 gegen die Böhmen. Leider ist der Freilauf für Hunde nicht gestattet, aber ist auch nicht weiter schlimm. Unterhalb der Ruine befindet sich eine Falknerei, welche jährlich beim Mittelalterfest rund um den Berg Flugvorführungen zeigt.

Nach dieser letzten Besichtigung endete auch die Tour und beide schliefen auf der Heimfahrt im Kofferraum friedlich vor sich hin, da sie perfekt ausgelastet waren. Somit war auch ich als Herrchen glücklich.

Eine Zusammenfassung findet ihr im folgenden Video. Viel Spaß damit.

Euer Michl