Ruine Schellenberg, Dolmengrab, Havran, Silberhütte von Flossenbürg
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Ruine Schellenberg, Dolmengrab, Havran, Silberhütte von Flossenbürg

Winterzeit, Wanderzeit?

… und Hunde im Schnee …. gibt es was schöneres? Viele würden sagen, ja, Sommer. Dem kann ich nur bedingt zustimmen, da jede Jahreszeit seine schöne Seiten hat. Ich habe mir also überlegt, wo wir laufen könnten und kam auf den Gedanken, warum nicht mal Grenzgänger zu spielen und den alten „eisernen Vorhang“ zu besuchen. Der Havran, zu deutsch „großer Rabenberg“ war schon immer ein Aussichtspunkt, der mich gereizt hat. Früher war er ein Horchposten und somit auf Tschechischer Seite tabu und jenseits des Erreichbaren. Und als ich dann in Floß gewohnt habe, habe ich es nicht mal geschafft. Jetzt war es an der Zeit dies nachzuholen.

Vorbereitungen und Kinderwagentauglichkeit

Ich war mir sicher dass die Route nicht einfach werden würde im Schnee und darum möchte ich hier schon mal drauf hinweisen, das eine gute Grundkondition von Nöten ist, sowie etwas Durchhaltevermögen bei Schneewanderungen. Im Sommer ist es sicher einfacher. Viele Teilstücke waren vereist, schlecht beschildert bzw. gar nicht ausgeschildert. Gerade beim Grenzübertritt lief ich viel ohne Wege durch den Wald. Da macht es Sinn sich beim GPS Daten aus Komoot zu ziehen. Zudem musste ich den Grenzbach durchqueren, da ein überspringen nicht möglich war. Also hier empfehle ich Wasserdichte Stiefel. Die Route ist in voller Länge nicht für Kinderwagen geeignet. Der Aufstieg auf die Ruine Schellenberg erfordert auch im Sommer Trittsicherheit und fordert den Hunden Leistung ab. Aber dazu kommen wir später.

Wie immer hier noch die Gesamtübersicht:

gefolgt vom Höhenprofil:

Los geht’s ab Flossenbürg

Startpunkt der Wanderung war am Großparkplatz der KZ Gedächtnisstätte Flossenbürg. Wir folgen die Straße bergab am Getränkemarkt vorbei zur Hauptstraße und zum Rathaus. Von hier ab den kleinen Weg über die Wiese und links den Berg hoch anbei der Wohnhäuser. Oben angelegt eröffnet sich vor uns ein kurzer Blick auf einen der vielen Steinbrüche. Wir bogen dann links ab und folgten dem Pfad hoch zum Wald. Wie überall hier in der Gegend finden sich noch Zeugen des zweiten Weltkrieges. So auch nach knapp 4 km Nach dem Kopfstein ein alter Wehrmachtsbunker der ein kaltes Bild bietet der Vergangenheit. Es war nicht der erste dieser Art die wir besucht haben, aber durch das Wetter und der nasskalten Stimmung und Schneefall war, war es uns dennoch außerhalb lieber.

Der Brotfelsen

Von hier an der Wegkreuzung nach Norden und gleich rechts ab nach Osten, der schwarzen 1 und 3 im weißen Kreis folgend. Nach knapp einem Kilometer erreichten wir schon einen Höhepunkt dieser Wanderung: den Brotfelsen. Es handelt sich hierbei um eine der bekanntesten Naturdenkmäler im Gipfelbereich des Steinwaldes und des Oberpfälzer Waldes. Es handelt sich hier um einen beeindruckenden Zeugen ehemaliger tertiärer Verwitterungen, die wegen der dabei entstehenden Formen auch Wollsack-, Kissen- oder Matratzenverwitterung genannt wird. Der Brotfelsen oder Brotlaib nördlich der Burgruine Schellenberg ist ein toller Vertreter dieser Felsen. Und zu eben jeder Ruine sollte es nächstes gehen.

Die Burgruine Schellenberg

Keine 300m südlich befindet eben genannte Ruine und liegt auf 826 Metern Höhe auf dem felsigen Gipfel des Schellenberges. Gegründet wurde die Burg am 23. August 1347 von den Herren von Waldau auf Waldthurn. Später wurde diese Burg, die damals Lug ins Land genannt wurde, an einen fränkischen Ritter namens Phillip von Guttenberg verpfändet. Im Zuge der Guttenberger Fehde zwischen diesem und seinem Bruder Moritz auf der einen und dem Markgrafen von Brandenburg-Kulmbach auf der anderen Seite wurde die Burg am 11./12. Juli 1498 vom markgräflichen Hauptmann Konrad von Wirsberg erobert und geschleift. Anschließen befand sich auf dem Schellenberg noch ein Jagdschloss, 1865 wurde das letzte bewohnte Gebäude abgerissen.

Uns begrüßte am Fuß der Ruine eine Holzfigur und der Aufstieg war nur im Freilauf möglich auf Grund Eisplatten und Schnee. Es sind Kletterhilfen und Haltestangen vorhanden die dies etwas erleichtern. Die Hunde waren schon mal oben und flitzten los während ich doch etwas länger brauchte. Auf dem Gipfel befindet sich ein hölzerner Aussichtsturm, wo früher der Bergfried gestanden hatte. Dieser ist über eine hölzerne Brücke erreichbar. Leila wollte wie so oft nicht hoch, also gingen Shakespeare und ich alleine. Die Aussicht war gleich 0 auf Grund der Witterung, aber der Blick hinab, gab einen guten Eindruck von der Größe und Form der Anlage. Es war auch heute wieder schön, hier gewesen zu sein. Anschließend ging es im Freilauf wieder hinab und weiter auf den ursprünglichen Weg

Zum Dolmengrab am Bärenfels

Südlich den Wanderweg bergab folgend kamen wir an die Querung einer Forststraße und hielten uns rechts um nach knapp 300m links abzusteigen. Wir kamen direkt am Bärenfels heraus, einer großen Felswand. unterhalb davon befindet sich der Dolmen. Diese natürliches Denkmal, welches wie ein Opferalter aussieht ist in der Ausmaße 5,60m x 4,70m x 40cm bis 90cm und liegt auf 3 Steinplattenaufstellern. Aber ist es ein echter Dolmen? Das Wort Dolme soll zwar aus dem keltisch/bretonischen zwar Steintisch übersetzt heißen, aber dieser hier halt wohl nichts mit einem Opferalter oder einer Begräbnisstätte zu tun. Es sieht eher so aus, als ob durch die Verwitterung der „Deckel“ vom Hang daneben abgerutscht und zufällig auf den drei Felsensteinen, welche schon dalagen, gelandet ist. Wie dem auch sei sieht die Formation dennoch recht beeindruckend aus 🙂

Über die Grenze nach Tschechien

Von hier ab ging der Wanderweg mit dem D stetig nach Osten, vorbei an der Pechlohe zur Linken und dem Hohenried zur Rechten. Bei km 8 überquerten wir die Grenze wie Eingangs erwähnt über den Bach und holten uns Nase Füße bzw. Pfoten. Durch den Wald hinauf kamen wir nach gut 800m wieder auf einen Wanderweg, welchen wir folgten. Leider habe ich hier auf Grund schlechtem Netz und GPS Störungen einen längeren Umweg eingelegt. Bitte hier nach links gehen und nicht nach rechts. 🙂 Nach einer langen Schleife und schönen Aussichtspunkten kamen wir in die Nähe des großen Rabenbergs.

Auf dem Havran

Wir kamen an einem alten Teil der Grenzbefestigung mit Stacheldraht und Zähnen vorbei, was den kalten Krieg wieder aufleben lies und die Angst im Konflikt Ost gegen West. Auf dem Gipfel steht ein ehemaliger Grenzüberwachungs- und Horchposten der tschechischen Streitkräfte, CVA, der zu einem Aussichtsturm rückgebaut wurde. Der Turm war Teil einer Kette von tschechischen Grenzbefestigungsanlagen, die im Norden mit auf dem Dyleň und im Süden auf dem Zvon ihre Fortsetzung finden. Von der Turmanlage aus besteht Sichtkontakt zu den ehemaligen Überwachungsstellungen auf den Gipfeln des Dyleň (Tillenberg) im Norden und dem Velký Zvon (Plattenberg) im Süden. Leider war das Wetter nicht berauschend, was einen Aufstieg und die Aussicht zu Nichte machte. Aber das holen wir mal nach.

Ab zum Entenbühl

Nachdem wir einige Km direkt auf dem sogenannten „Niemandsland“ wanderten (Den es laut Definition gar nicht gibt), erreichten wir wieder deutschen Boden und gingen entlang der Langlaufloipe. Von hier ab dann rechts hoch und auf den Entenbühl. Dieser auf 901m ü.NN. Berg ist die zweithöchste Erhebung des deutschen Teil des Oberpfälzer Waldes nach dem Kreuzfelsen. Hier oben entspringt auch die Waldnaab am Kreuzbrunnen, die auch Tirschenreuther Waldnaab genannt wird. Nach dem Zusammenfluss mit der Fichtelnaab wird aus ihr die Naab, die dann von Norden her in die Donau läuft und ins Schwarze Meer. Die Quelle der Fichtelnaab haben wir hier besucht.

Unterhalb des Gipfels befinden sich die Hubertuskapelle, ein im Jahr 1938 errichteter und 1998 vom Oberpfälzer Waldverein zur Kapelle umgestalteter Kriegsbunker, sowie ein im Jahr 2000 errichtetes hölzernes Gipfelkreuz. Die Kapelle bot neben dem Holzrelief als Altar kurze Zeit Unterstand vom stärker werdenden Schneegriesel. Der Altar rechts davon diente uns als Standpunkt für ein Fotoshooting.

Das Langlaufzentrum Silberhütte

Unterhalb des Entenbühls liegt nach knapp 300m das Langlaufzentrum Silberhütte. Gerade im Winter ist diese stark frequentiert. Hier befinden sich über 50km Loipe und 9km Skatingstrecke. Eine Besonderheit ist, dass ein Teil der Streckenführung über die Bundesgrenze hinaus geht. Hier konnten die Hunde das erste mal Menschen auf Skier sehen und waren erstmal angespannt, aber dann doch entspannt. Interessant ist die Laserbiathlon-Schiessanlage. Unterhalb der Loipe liegt neben einer Wachshütte ein Wirtshaus, das zu jeder Jahreszeit gerne besucht wird. Von hier aus ging der Weg auf Grund schlechter Witterung an der Straße entlang links nach Flossenbürg. Am Weg lag auch hier wieder ein alter Bunker.

Das Konzentrationslager Flossenbürg

Somit kamen wir nach einigen Kilometern wieder am Startpunkt an und standen wir dem Eingangsgebäude des Konzentrationslager Flossenbürg. Hier sind Hunde natürlich nicht erlaubt und auf Grund der Temperaturen wollte ich diese nicht im Auto lassen während ich einen Besuch abstatten würde. Es bestand von 1938 bis zum 23. April 1945 und zählte fast 90 Außenlager. Von den etwa 18.000 Häftlingen kamen etwa 4.500 zu Tode. Inhaftiert waren mindestens 85.000 Personen, vorwiegend Polen, Russen und Ungarn. Der wohl bekannteste Insasse war der evangelische Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoefer, der hier kurz vor der Befreiung am 9. April 1945 erhängt wurde. Ihm verdanken wir auch den Text zum Lied „Von guten Mächten treu und still umgeben“. Hier sind 3 von den 7 Strophen die zum Nachdenken anregen sollten:

Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiß an jedem neuen Tag.

Somit ging dann eine große Runde mit platten Hunden und einem nachdenklichen Herrchen zu Ende.

zum Abschluss hier noch die GPS Daten bei Komoot und das Video der tollen Wanderung. Gerne dürft ihr mir auf Komoot auch folgen und alle Touren erleben, die hier im Blog nicht erwähnt werden.

Euer Michl