Großer Waldstein, Ruine Epprechtstein, Granitlabyrinth von Weißenstadt
Share:

Großer Waldstein, Ruine Epprechtstein, Granitlabyrinth von Weißenstadt

 

Schnee nicht in Sicht

Nachdem bei uns im Flachland mal wieder kein Schnee lag und ich uns mal wieder was weißes gönnen wollte, fiel meine Wahl mal wieder aufs Fichtelgebirge. Nachdem wir hier schon öfters unterwegs waren, ging es diesmal zum nördlichen Rand des hufeisenförmigen Gebirges. Die Webcam von Weißenstadt zeigte, dass die Gipfel nördlich mit Schnee bedeckt waren. Darum fiel meine Wahl auf eine ausgedehnte Runde über den großen Waldstein rüber zur Ruine Epprechtstein und über das Buchhaus wieder zurück.

Vorbereitungen und Kinderwagentauglichkeit

Die ausgesuchte Route geht über 21km und ist somit nur für wirklich gut konditionierte Wanderer und gewohnte Hunde zu empfehlen. Gerade im Winter ist es hier mitunter sehr matschig, rutschig und eisig. Somit ist erhöhte Trittsicherheit von Vorteil. Festes Schuhwerk ist natürlich eine Grundvoraussetzung. Denkt bitte an Getränke für die Hunde, da im Winter hier keine Quellen vorhanden sind. Im Sommer ist dies kein Problem. Auch sollte daran gedacht werden, Decken ins Auto zu packen um die Hunde ordentlich zu trocknen um Gelenkrheuma zu vermeiden. Die Route ist bis auf eine Treppe bei der Ruine Epprechtstein sogar Buggytauglich. Hier müsste der Buggy also von 2 Personen kurz getragen werden, was wohl kein Problem darstellen dürfte. Im Sommer laden viele Bänke zum Rasten ein, ebenso das Gasthaus auf dem großen Waldstein.

Wie immer hier noch die Gesamtübersicht:

gefolgt vom Höhenprofil

Los geht’s ab Weißenstadt

Startpunkt der Tour war der Marktplatz in Weißenstadt. Hier bei der Kirche finden sich ausreichend viele Parkplätze ohne Zeitlimit, da diese Route doch länger ging. Wir gingen in nördlicher Richtung an alten Scheunen vorbei zum Kreisverkehr und verließen diesen gleich bei der nächsten Ausfahrt entgegen der Fahrtrichtung und gingen an einem Holzlager vorbei. Nach knapp einem Kilometer begann zur Rechter der Wanderweg auf dem wir bogen, nur um kurz darauf uns links zu halten um den Feldweg zu folgen. Dieser lotste uns über viele Kilometer vorbei an Fischweihern bis hin zum ersten Ausläufer des Waldes. Hier bogen wir auf den roten Kreis auf weißen Grund ab und gingen stetig bergan. Vor uns lagen nun einige Steinformationen, die Rondell, der Wal vom Waldstein oder Napoleons Hut hießen und neben einem Steinbruch lagen. Nach knapp 6km erreichten wir unser erstes Ziel.

Der große Waldstein

Der Große Waldstein (877 m ü. NHN) ist die höchste Erhebung des Waldsteinzuges im nördlichen Fichtelgebirgs-Hufeisen. Bekannt ist er vor allem durch seine Felsen in Wollsackverwitterung, seine Schlossruinen und den einzigen erhaltenen Bärenfang der Region. Das Waldsteinhaus ist ein ganzjährig bewirtschaftetes Unterkunftshaus des Fichtelgebirgsvereins in unmittelbarer Nähe des Gipfels. Ein von den Gebrüdern Montgolfier erfundener Hydraulischer Widder pumpt seit gut 60 Jahren ohne Ausfälle Wasser auf den Waldstein. Bemerkenswert ist, dass er das ohne jeglichen Motor oder Pumpe schafft, sondern nur mit der Kraft des einströmenden Wassers arbeitet. Direkt vor dem Gasthaus befindet sich eine Bühne vor der Kulisse des roten Schlosses, auf der hier immer wieder Theaterstücke mit Bezug auf den Waldstein gespielt werden. Wir gingen kurz ums Gasthaus herum um eine Seltenheit zu besichtigen.

Der Bärenfang

Der Bärenfang ist ein Gebäude des 17. Jahrhunderts, in das Bären getrieben und dann gefangen gehalten wurden. Der Bärenfang hier ist ein Jagddenkmal und gilt als das einzige erhaltene Gebäude seiner Art Deutschlands. In der Umgebung standen offenbar ähnliche Gebäude, die aber nach dem Verschwinden der Bären abgebrochen wurden, da die mächtigen Granitquader ein begehrtes Baumaterial waren. Der Bärenfang ist ein kleines, längliches Gebäude mit zwei Zugängen, an jeder Seite einem. In der Mitte einer Seitenwand befindet sich eine schmale Öffnung. Das Gebäude aus massiven Granitquadern ist 9 Meter lang, 3,30 Meter breit und 4 Meter hoch. Wegen der Schäden durch einen Sturm wurde 2006 dem Gebäude ein neues Dach aufgesetzt. Die den Bärenfang umgebenden Felsen sind ein Naturdenkmal.

In der Nähe wurde ein steinerner Bär aufgestellt. Die genaue Funktion des Auslösemechanismus ist nicht vollständig geklärt. Eine Vermutung äußerte Ludwig Zapf in seinem vor 150 Jahren publizierten Waldsteinbuch. Demnach wurden die beiden Falltüren mit Seilen gehoben, die an der Außenseite der Nordwand mittig zusammenliefen. Über Ösen wurden sie zu einem Mauerdurchlass knapp über dem Boden geleitet. Dort schob man sie über einen Eisenstab, der ins Innere des Bauwerkes führte. An seinem hakenförmigen Ende hing der Köder. Zerrte der Bär daran, lösten sich außen die Seile vom Stab und die Falltore wurden freigegeben.

Der Teufelstisch

Zurück zum Gasthaus ging es dann hoch zum roten Schloss. Direkt vor dem Eingang zur Westburg liegt der namensgebende Teufelstisch. Es handelt sich um einen mächtigen, nach oben sich erweiternder Felsblock mit ovaler Platte. Auf der Platte dieses eigenartigen Felsmassivs kann man noch tiefe Löcher sehen, die der Sage nach von eisernen Karten herrühren, mit denen der Teufel zusammen mit Kobolden und Geistern gespielt hat. In Wirklichkeit könnte es sich bei diesen Löchern um die Spuren eines Pavillons handeln, den man im späten 19. Jahrhundert wieder abgerissen hat. Der einzige Nachweis darüber ist eine Arbeit des Kupferstechers Gerd Könitzer, der in der Mitte des 19. Jahrhunderts mehrere Stiche des Waldsteingipfels mit den Bebauungen angefertigt hat. Klar mussten beide Schnuffs kurz posieren bevor es dann in die Burg ging.

Die Waldsteinburg

Es erhebt sich eine mächtige Felswand, auf der die Reste der einst mächtigen Veste Waldstein thronen. Diese Burg wird heute oft als Rotes Schloss bezeichnet, da man lange Zeit davon ausging, dass der Palas schon seit seiner Erbauung im 14. Jahrhundert mit roten Ziegeln gedeckt war. Der Name Rotes Schloss rührt vielmehr daher, dass man Teile der damaligen Burgruine im Spanischen Erbfolgekrieg (1701–1714) mit roten Ziegeln neu eingedeckt hat, um dort ein Lager zu errichten. Die Burg ist eigentlich in zwei Teile aufgeteilt. Die Ost- und die Westburg. Die Hauptburg bestand aus einem Palas, einem Torhaus, einem Wehrgang mit Scharwachttürmchen und einem quadratischen Bergfried. Der Zugang zur Hauptburg war durch eine Zugbrücke gesichert. Wir gingen also erstmal die vereisten Stufen hoch und die Hunde durften im Freilauf die Ruine erkunden.

Die Ostburg und die Schüssel

Vor dem Aufgang zum Aussichtspavillon Schüssel sind die Mauerreste einer spätromanischen, zur Ostburg gehörenden Kapelle zu sehen. Am nordöstlichen Fuß des Schüsselfelsens befinden sich Mauerreste der Ostburg, die um 1100 angelegt und um 1300 wegen der Anlage der neuen Westburg aufgegeben wurde. Mauern des ehemaligen Bergfrieds sind noch auf dem Schüsselfelsen zu erkennen. Bei Ausgrabungen wurden auch mehrere steinzeitliche Mikroklingen, Schaber und durchbohrte Anhängerfragmente aus Jurahornstein, der im Fichtelgebirge nicht vorkommt, gefunden. Es wird daher angenommen, dass es sich beim Waldsteingipfel um einen steinzeitlichen Rastplatz gehandelt hat. Gefäßscherben und Metallgegenstände, die zu Tage kamen, zeugen außerdem davon, dass zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert Befestigungsanlagen bestanden haben.

Eine kesselartige Vertiefung auf dem höchsten Felsen des Großen Waldsteins, auf den eine Besteigungsanlage führt, gab einst dem Felsen den Namen. Dieser Name übertrug sich auf den Aussichtspavillon, der 1851 vom Revierförster errichtet wurde, als König Maximilian II. von Bayern seinen Besuch angesagt hatte, jedoch aus Zeitgründen nicht zum Waldstein kam. Der Pavillon war ursprünglich mit blau-weißen Rauten bemalt, die Öffnungen waren verglast. Die Bemalung und die Glasscheiben, von denen nichts mehr zu sehen ist, fielen der Witterung zum Opfer. Der Aufstieg erwies sich als recht kritisch auf Grund der unregelmäßig und vereisten Stufen. Die Aussicht war dafür grandios. Leila wollte nicht mit hoch, also war es an Shakespeare und mir den Gipfel zu stürmen.

Die Burgruine Epprechtstein

Nach dem Abstieg wanderten wir gen Osten weiter und blieben knapp 6,5m auf dem selben Pfad. Wir folgten weiten Forststraßen und kamen am „Am Luisentisch“ vorbei. Der Platz erinnert an die mecklenburgische Prinzessin Luise (1776-1810), als Gemahlin Friedrich Wilhelm III. Königin von Preußen. Es handelt sich um einen Granitstein mit Grantibänken und einer Schutzhütte. Von hier aus beginnt der Aufstieg zur Burgruine welche sich auf 781,1m ü.NN oberhalb von Kirchenlamitz befindet. In einer Schenkungsurkunde des Herzogs Otto II. von Meranien wurde erstmals 1248 ein Eberhardus de Eckebretsteine urkundlich erwähnt. 1352 erstürmten die Burggrafen von Nürnberg das Raubschloss. m 16. Jahrhundert wurde die Burg durch Truppen des Vogts Heinrich von Plauen zerstört und verfiel.

Heute ist die Ruine über eine Steintreppe an der Südseite erreichbar die an der schroffen Felswand vorbei, nach oben führt. Von weiten ist schon der hölzerne Aussichtsturm zu sehen, der einen tollen Weitblick bietet. Die schmalen Holztreppen waren für Leila zu schmal und darum blieb sie unten. Von dort hatten wir man einen Rundblick über den Waldsteinzug, zum Großen Kornberg, nach Schwarzenbach an der Saale und Oberkotzau bis nach Hof, südlich über das innere Fichtelgebirge zur Kösseine. Nach dem Abstieg vom Turm machten wir kurz Pause, bevor das letzte Teilstück auf uns wartete.

Das Granitlabyrinth

Über das östliche Tor hinaus gehend stiegen wir die glatten Stufen hinab. Dies ist die eingangs erwähnte Treppe, wo man einen Buggy tragen müsste. Unten angekommen gingen wir den Waldweg entlang und folgten der Hinweistafeln zum Buchhaus. Hier hätten wir die Möglichkeit für eine Einkehr gehabt, aber leider war noch verschlossen. Wir überquerten die stark befahrene Straße und ich möchte hier um Vorsicht bitten.  Und gegenüber befindet sich auch das letzte Highlight dieser Tour. Das Labyrinth bildet den krönenden Abschluss des viel begangenen Steinbruch-Rundwanderwegs am Epprechtstein.

Das in seinem Grundriss quadratische Labyrinth hat für Umgänge und eine Ausdehnung von 34x34m. Es ist durch ein erkennbares Achsenkreuz in vier Quadrate eingeteilt, die auf dem Weg zur Mitte zu durchschreiten sind. Dieser Weg wird von 180 großen Granitquadern umrahmt. Im Zentrum lenkt ein 5m hoher Obelisk aus Epprechtsteingranit den Blick nach oben. Bänke laden dort zum Verweilen und zur Besinnung ein. Um zum Ziel zu gelangen, muss man vom Eingang aus 400m zurücklegen, die gleiche Strecke noch einmal auf dem Rückweg. Hier fallen mir ein paar Zitate ein:

Das Ziel muss man früher kennen als den Weg – Jean Paul

Geradeaus kommt man nicht sehr weit – Antoine de Saint Exupéry

Der schnellste Weg zum Ziel: Der Umweg – Carl Gustav Jung

Wohin du auch gehst, geh mit deinem ganzen Herzen – Konfuzius

Rückweg zum Auto

Hinter dem Labyrinth hielten wir uns rechts mit Richtung Weißenstadt. vor dem Waldstück bogen wir rechts ab und gingen am Waldrand entlang bis zum Radweg, der uns die nächsten 5km begleitete. Wir kamen an einer schönen Eisenbahnbrücke vorbei und an einer kleinen Kneipanlagen an einem alten Stollen. Bei km 20 kamen wir auf den Wanderweg, den wir Anfangs verlassen hatten und über das Holzgeschäft und dem Kreisverkehr ging es wieder zum Auto zurück. Den Hunden hatte diese Tour einiges abverlangt und die Leckerlies waren schneller weg, als ich schauen konnte. Noch mit den Handtüchern abgetrocknet und sicher im Kofferraum verstaut.

zum Abschluss hier noch die GPS Daten bei Komoot und das Video der tollen Wanderung. Gerne dürft ihr mir auf Komoot auch folgen und alle Touren erleben, die hier im Blog nicht erwähnt werden.

Euer Michl