Durch das Steinachtal zur Ruine Nordeck
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Durch das Steinachtal zur Ruine Nordeck

Nach der Geburt unserer bezaubernden Tochter Emilie, wollten wir mal als Familie eine erste kleine gemeinsame Tour unternehmen. Der goldene Herbst hatte sich am 15.10.2017 von seiner allerbesten Seite gezeigt und da wollten wir ihn nicht enttäuschen und haben das Angebot dankbar angenommen. Nachdem wir an dem Tag Richtung Kulmbach wollten, um Verwandte zu besuchen, fiel die Auswahl über die App komoot auf das Steinachtal und von dort hoch zur Ruine Nordeck.

Wir haben die Hunde im Kofferraum verstaut, die Kleine in der Schale und sind mit Leckerlies bewaffnet zum Ausgangspunkt etwas nördlich von Stadtsteinach gefahren nahe der alten Mühle, welche als quasi lebendiges Zeugnis der Wasserkraft dient und natürlich auch besichtigt wurde. Die kleine Maus kam in die Limas Tragehilfe und war gut verstaut und somit die Hände frei für die Hunde. Leider ist die Tour im Kinderwagen nur bedingt geeignet, da zur Ruine viele grob gehauene Stufen führen. Nachdem wir dem Lauf der Steinach in nördlicher Richtung folgten, bogen wir rechts ab und bergan zur Ruine Nordeck zu steigen. Es handelt sich um eine hochmittelalterliche Ruine einer Zwingburg in Spornlage etwa 450m ü. NN auf einem nach Westen vorspringendem Bergsporn im Stadtsteinacher Forst. Die ehemalige Burg wurde um 1100 durch die Grafen von Henneberg erbaut. Zusammen mit Steinach, dem heutigen Stadtsteinach, erwarb Bischof Eberhard II. von Bamberg 1151 die Burg. 1438 wurde sie im Kleinkrieg der Waldenfelser gegen den Bischof von Bamberg zerstört. Mitte des 15. Jahrhunderts wurde sie wieder aufgebaut. Der Raubritter Thomas von Absberg hielt dort entführte Gefangene versteckt. Bis Anfang des 16. Jahrhunderts war die Burg Sitz bischöflicher Amtmänner. Sie wurde 1525 im Bauernkrieg erneut zerstört und aufgegeben. Um die Burg ranken sich viele Sagen. Eine davon behandelt den Sänger von Nordeck. Das Gedicht wird hier wiedergegeben:

„Macht auf das Tor der Nordeck weit! Heinz Gundolf lässt Euch grüßen, möcht Eurem Herrn die Einsamkeit mit Spiel und Sang versüßen!“ „Willkommen, Spielmann! Trinkt und esst! Es soll Euch nicht gereuen, könnt uns an Gundas Wiegenfest mit Eurer Kunst erfreuen.“

Der Saal voll Licht und Festlichkeit, viel edle Herrn und Frauen. Heinz singt von Lieb und Seligkeit, dass Augen lockend schauen. Doch plötzlich stocken Lied und Blick, Schöngundas Wangen glühen. „Euch, edle Jungfrau, wünsch ich Glück! Ich trink auf Euer Blühen!“

Weil Gunda solche Kunst gefiel, spricht sie zum Vater leise: „O, laßt mich lehren Saitenspiel, üb manche frohe Weise!“ Im Burghof unterm Rosenhag; man lernt die Laute brauchen; dem Gundolf nichts am Spiele lag, doch mehr an Gundas Augen.

Und eines Tags der Vater hört ein heimlich Kichern, Kosen. „Gemeiner Dieb!“ ruft er empört, „soll ich mein Kind verstoßen?“ „Hoch edler Herr!“ spricht Gundolf kühn, „Lieb kennt nicht hoch und nieder! Bevor die Rosen wieder blühn kehr ich als Ritter wieder.“

Drauf rettet Gundolf in dem Krieg des Kaisers Rotbart Leben; der spricht nach bald erkämpftem Sieg mit dankbarem Bestreben: „Weil Ihr so tapfer war und keck beim Kampf in schlimmster Lage, drum seid ein Herr von Roseneck mit diesem Ritterschlage!“

Die Steinach zeiht ein Mann entlang nach langem, schwerem Ritte, dem Herrn von Nordeck gilt sein gang, zu stellen seine Bitte: „Es kommt der Ritter Roseneck der Kaiser mich beleihen. Hoch edeler Herr, ich bitt Euch keck, lasst mich um Gunda freien!“

Zum Rosenhag führt ihn hinab der Alte, um zu zeigen dem Roseneck ein frisches Grab, geschmückt mit Rosenzweigen. „Hier unten“, murmelt er im Schmerz, „könnt ihr um Gunda werben! Die Sehnsucht machte krank ihr Herz, ein Stärkrer Ließ sie sterben.“

Ein wilder Schrei durchgellt das Tal, zum Grab stürzt Gundolf nieder, es fließen Tränen ohne Zahl, nichts weckt die Toten wieder. Gar schauerlich die Leier klingt, das Herz voll bittrer Reue, bis er entseelt aufs Grab hinsinkt, der Toten hält die Treue.

Nach der Erkundung des Bergfriedes und des alten Geländes hielten wir inne und genossen die letzten wärmenden Strahlen der Oktobersonne und das Farbenspiel der Blätter im Laubwald … und es hat sich wieder der Spruch bewahrheitet: „Die Natur ist der schönste Maler“.

Der Abstieg stand bevor und wir entschieden uns für die Nordseite hinab zur Waldschänke. Natürlich war hier auf Grund des Wetters die Hölle los und an ein Plätzchen war nicht zu denken, gerade auch weil viel Hunde unterwegs waren. Freilauf war auf dem gesamten Weg nicht möglich, was wiederum gut für ein Leinentraining ausgiebig genutzt wurde. Von der Schänke aus führte der Weg am Ufer der Steinach zurück Richtung Auto vorbei an einem alten Fabrikgelände. Während Jana unsere Tochter und Leila sicher unterbrachte, fiel mir ein Wegweiser auf „Aussichtspunkt Kanzel„. Dem mussten Shakespeare und ich einfach hinterher und gesagt getan ging es hinauf auf den Berg der leider mehr schlecht als recht ausgeschildert war. Und somit wurden aus den 10 Minuten leider knapp 30 Minuten. Oben entschädigte aber die Aussicht Richtung Stadtsteinach und das tolle Licht- und Farbenspiel der Natur. Kurz gesagt: es hat sich doch mehr als gelohnt.

Wir kamen noch an der Schneidmühle vorbei, welche 1980 nach über 130 Jahren braver Arbeit ihren Dienst quittieren musste und noch heute als Schausägewerk dient. Der Blick in die Mühle lohnt sich, denn die ursprüngliche Ausstattung wie Regale, Ofen, Schreibpult, Hocker, Schrenkschemel, Hobelbank, Säumsägetisch und viele andere Kleinwerkzeuge sind wieder an ihren angestammten Plätzen. Selbst die Gefache sind mit alten, handgestrichenen Ziegeln ausgefüllt worden. Vom Gatter aus kann der Schneidmüller über ein doppeltes Hebelwerk den Schieber am Einlaufkanal des Mühlrades bedienen. Zeitlich waren wir früher dran als geplant. Und ganz rein zufällig lag das Naherholungsgebiet Mainaue (die „Kieswäsch“) bei Kulmbach auf dem Weg. Da hier Hunde nicht gerne auf der Eingangsseite gesehen werden und die beiden Schnuff’s eh schon gut ausgelastet waren, beschlossen wir, mit dem Kinderwagen einmal um den See zu laufen um die grandiose Sicht auf die Plassenburg zu genießen. (Zur Plassenburg werden wir noch einen Blog erstellen mit dem Aufstieg zum Rehturm.) Der See selbst ist seit Jahren bei den jährlichen Tests der Stiftung Warentest mit hervorragender Wasserqualität bewertet worden. Es kann mit eigenen kleinen Booten auf dem See gefahren werden. Auf der anderen Seite haben Angler ihre Plätze. Angelegt wurden ein Beachvolleyballplatz und ein Buddelplatz für Kinder. Eine Insel, die auch für kleinere Kinder zu Fuß erreichbar ist, sorgt für einen besonderen Anziehungspunkt im See. Hier ist der ideale Ort um seine Seele baumeln zu lassen.

Mit den Gedanken an einem tollen Tag möchten wir uns von euch für heute verabschieden und haben natürlich wieder ein Video für euch.

Eure Jana und euer Michl