Das Schlachtendenkmal Trommelbuche bei Neusorg
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Das Schlachtendenkmal Trommelbuche bei Neusorg

Endlich wieder auf Tour

Nach der langen Hitzeperiode war es an diesem Freitag endlich mal mit knapp 24°C erträglich um mit beiden Hunden eine Tour zu drehen. Die Entscheidung wohin es gehen sollte, muss schnell fallen, da es schon weit nach 16 Uhr war. Ein Blick in die Wanderführer blieb ergebnislos, so blätterte ich ein Buch über den Steinwald durch und blieb bei einem Bild hängen. Es sah so ähnlich aus wie Stonehenge und solle in Neusorg sein. Moment, 20km weiter gibt es so ein Bauwerk und ich kenn es nicht? Geht ja gar nicht. Und somit war das Ziel klar: die Trommelbuche! Schnell den Hunden das Geschirr angelegt und ohne Wanderkarte los. Wir würden schon unsere Ziele finden.

Was sollte man über die Strecke wissen?

Ist die Tour Kinderwagentauglich? Jein, Größtenteils sind es breite Forstwege und sehr leicht begehbar. Leider sind immer wieder Passagen dabei, die nicht breiter als 40cm sind oder mit Wurzeln übersäht. Hier sollte das Kind auf den Arm oder in die Trage kommen. Landschaftlich ist die knapp 10km lange Wanderung ein Highlight, da sie sehr schön liegt und abwechslungsreich ist. Für die Hunde gibt es 2 Brunnen und einen tollen Bachlauf, somit ist das auch kein Thema. Leider ist der Weg hier sehr schlecht ausgeschildert und es war des Öfteren nicht klar, wohin es weitergeht. Ich habe mich ans Fahrschulprinzip gehalten: Wenn keiner was sagt, immer gerade aus. Deshalb wäre es hilfreich, hier evtl. nach meinem GPS zu laufen um nicht in der Pampa zu stehen 😉

Wie immer hier noch die Gesamtübersicht:

gefolgt vom Höhenprofil

 

Los geht’s in Neusorg

Startpunkt war der Kirchplatz in dem 2000 Seelen Gemeinde Neusorg. Von hier aus folgten wir am Pfarrhaus vorbei und bogen gleich links ab in die Schulstraße und zogen die Anhöhe hinauf. Vorbei an der Schule ging es auch schon direkt in den Wald. Die hier angebrachten Wandertafeln waren noch recht übersichtlich und das Schlachtendenkmal wurde mit der blauen Drei im Kreis markiert. Dem folgten wir auch links in den Wald und schon ging es durch hohes Gras. Nach knapp 1km sahen wir ein Wasserversorgungshäuschen und bogen rechts ab und kurz darauf wieder links. Nach einer Hundebegegnung kamen wir auch an unser erstes Ziel. Der ehemalige Schlachtplatz an der Trommelbuche umstellt von im Halbkreis aufgestellten Steinquadern und einem Tor.

Woher stammt der Name Trommelbuche?

Im Erbfolgekrieg hatte sich hier im am 08.08.1504 ein Blutbad ereignet und es starben 1000 Mann in einer einzigen Nacht. Allein zu wissen, dass der Boden hier getränkt war von Leichen und Blut ließ mich ehrfürchtig innehalten im Halbrund der Steine, während Shakespeare und Leila auf den Quadern ihrem Spaß nachgingen. Schade ist, das hier keine Geschichtstafel angebracht ist, außer einem kurzen Vierzeiler. Hier half aber eine Recherche weiter zu Hause und folgende Geschichte möchte ich euch wiedergeben:

„Einst stand eine Buche im Lager der Markgräflichen, als diese damals im Jahre des Herrn 1504 in die obere Pfalz einfielen und hier ihr blutiges Handwerk ausübten. Auf dem Wege zurück nach Wunsiedel vom gebrandschatzten Kloster Waldsassen macht sie Rast in der Nähe von Ebnath. Die ermüdeten Wachen der Marktgräflichen hingen an diese Buche ihre Trommeln, als sie dem Schlafe verfielen. An der Buche hingen die Trommeln noch, als sie des Nachts von den Mannen des Caspar von Erlenbeck im Schlafe überrascht wurde und das Rund um die Buche mit den Körpern der Erschlagenen bedeckt war.

Von der Buche her klang das dumpfe Trommeln dem Wanderer in die Ohren, wenn er unbedacht durch das sich wieder mit Gras bedeckende Schlachtfeld schritt. Die Trommelbuche wurde ein unheimlicher Ort, lehrte unseren Vorfahren die Achtung vor den Toten längst vergangener Zeiten, hielt das Andenken lebendig wurde ein Ort für Stoßseufzer und Stoßgebete, ein Feld der verlorenen Seelen. Der Baum wachte darüber. Doch das Alter schaffte ihn, die Buche starb selbst, wurde Teil der Erde, der Name blieb, damit das Andenken, das Gedenken.“

 

Nach einer kurzen Schweigeminute für die Gefallenen, zogen wir weiter.

 

Weiter auf dem Fränkischen Gebirgsweg

Der Weg führte uns der Nase nach auf einem breiten Forstweg Richtung Ebnath auf dem Fränkischem Gebirgsberg. Dieser führte uns kurzzeitig mitten durch das Dickicht auf einem schmalen Trampelpfad und über eine Landstraße und weiter zu einem Fünfsprung. Hier folgten wir der schwarzen 4 auf gelbem Kreis weiter nach Nordnordwest. Nach knapp 2km und ja nicht abbiegen ging es einer Gabelung nach links mit der Aufschrift: Kalvarienberg Ebnath. Wir kamen an einem kleinen Bachlauf vorbei, der auf Grund der vorangegangen Temperaturen eher einem Rinnsal glich. Das kleine Wasserrad bekam nicht genug Wasser, aber für Leila und Shakespeare war es eine willkommene Erfrischung nach nun mehr fast 6km. Aber es waren ja nur noch 0,8km bis zum nächsten Ziel.

Eingekesselt von Bergen

Wir verließen nun den Wald und kamen über Wiesen und Weiden auf dem Wanderweg an einem Ruhebänkchen vorbei, wo wir kurz ruhten. Der Ausblick war echt toll. Der Sonne-Wolken-Mix zauberte ein unglaublich schönes Bild und das Panorama war faszinierend. Von rechts nach links lagen der Schneeberg mit seinem Relikt des kalten Krieges, gegenüber der Funkturm auf dem Ochsenkopf. Etwas weiter im Süden die Kuppel des Armesberges mit seiner Wallfahrtskirche und links die Kösseine mit seinem Gasthaus und dem steinernen Aussichtsturm. Den Hunden war das irgendwie egal und sie fanden die Angusrinder hinter uns wohl interessanter. Diese ließen sich aber vom Fressen nicht abhalten und wir marschierten an dem Zaun entlang und links hoch zur auf dem Kolpingweg, der immer Zitate für uns bereit hielt. Welches mich am tiefsten bewegt hat, war folgendes:

„Froh und glücklich machen, trösten und erfreuen, ist doch das Glücklichste und Beste, was der Mensch auf dieser Welt ausrichten kann.“

 

Hinauf auf den Kalvarienberg

Oben ankommen standen wir auch schon vor der Herz-Jesu-Kapelle in mitten eines Lärchenwaldes. Wie in dem Buch „Hofmark Ebnath“, das anlässlich der 800-Jahr-Feier des Ortes von Hans Müller-Ihl verfasst wurde, ist nachzulesen, dass die erste Nachricht über die Absicht, auf dem Kalvarienberg eine Kapelle zu bauen, aus dem Jahre 1873 stammt. Demnach hegte der ledige Ökonomens-Sohn Thomas Höß entsprechende Pläne. Höß ließ Baupläne anfertigen und holte die Zustimmung der Regierung ein. Nachdem das Ordinariat in Regensburg den Bau genehmigt hatte, wurde mit den Arbeiten begonnen, die im Jahr 1875 abgeschlossen wurden. Im gleichen Jahr erhielt die Kapelle zwei Glocken.

 

Geschichte oder Geschichtchen?

Die mündliche Überlieferung bringt das Motiv für die Erbauung der Kapelle jedoch etwas anders. Thomas Höß habe bei einem Streit seinen Kontrahenten getötet und sei deshalb nach Amerika ausgewandert. Nachdem ihm sein Gewissen keine Ruhe ließ, habe er brieflich nach vielen Jahren gebeten, eine Kapelle in der Heimat bauen zu dürfen. Dazu habe er das notwendige Geld aus Amerika geschickt. Geschichtlich belegt ist aber wieder, dass im Jahre 1904 vor der Kapelle die drei Kreuze errichtet wurden, die bis heute erhalten geblieben sind. Als man 1967 durch eine freiwillige Spendergruppe auf dem Kalvarienberg einen Kreuzweg errichtete, bezog man diese drei Kreuze als zwölfte Station mit ein.

Wie es auch sei, die Kapelle ist nach wie vor das Ziel vieler Spaziergänger. Sie ist ein Ort der Besinnung und Meditation geblieben. Und so genossen wir die Ruhe und Stimmung hier und zogen weiter.

 

Zurück zum Startpunkt

Von hier aus waren es nur noch etwa 4km zurück zum Auto. Die Hunde waren voll bei der Sache und hatten sichtlich Spaß am Schnüffeln und Spuren nachzugehen. Nach dem Wasserhäuschen bog der Fränkische Gebirgsweg links ab und zog sich über einen Hang hinweg zu einer Bank mit einem schmiedeeisernen Kreuz und Bäumen. Rechts hinab zur Ortschaft Schwarzenreuth. Im Ortskern befand sich eine schön restaurierte kleine Kapelle in der gerade ein Rosenkranz gebetet wurde. Das Licht, welches durch die gelben Fenster schien, schaffte ein beeindruckendes Farbenspiel. Direkt davor war ein Brunnen, der schnell in Beschlag genommen wurde. Am Ortsende wurde gerade ein Fahrradweg neu gebaut, auf dem wir zurück nach Neusorg wanderten. Vor der Pfarrkirche befand sich ein großer Springbrunnen in denen beide nochmals nach Herzenslust toben und trinken durften. Also wenn sie sich das heute nicht verdient hatten, dann weiß ich auch nicht 🙂

So ging wieder eine spannende Exkursion in die Geschichte meiner Heimat zu Ende und ich hatte viel neues gelernt und bin gespannt, welche Geheimnisse es noch gibt ….

Natürlich möchte ich euch die GPS Daten bei Komoot gerade hier ins Herz legen wie eingangs erwähnt. Diese findet ihr hier.

und natürlich auch noch ein Video der wirklich schönen Tour

Viel Spaß beim Nacherleben

Euer Michl